Der Berchtesgadener Anzeiger berichtete am 20.02.2015 (in leicht gekürzter Form):

Begegnung als Chance

 Tafel-Gäste kochen für Tafel-Ehrenamtliche

Schönau a. K. – Seit Januar 2005 werden durch die „Berchtesgadener Tafel“ Samstag für Samstag an Menschen „mit kleinem Geldbeutel“ Lebensmittel von ortsansässigen Sponsoren verteilt. Über 80 Ehrenamtliche arbeiten zum Teil schon seit 10 Jahren mit, um die Logistik zu bewältigen, die hinter dieser Unterstützung für durchschnittlich 100 Menschen pro Woche steht. Viel Zeit, Kraft und auch Nerven wurden dabei investiert. Wie wichtig dieses Engagement für die Tafel-Gäste ist, das zeigt sich immer wieder an den Tafel-Samstagen. Doch nun gab es mit dem 10-jährigen Jubiläum auch eine besondere Gelegenheit, sich bei den Ehrenamtlichen zu bedanken: Tafel-Gäste kochten ihre Lieblingsgerichte und luden dazu ein.

Eduard Landes, dem 1. Vorsitzenden des Tafel-Vereins, war es gelungen, die CJD Realschule Königssee für diese Idee des Kochens zu begeistern; und Erich Güll als ehemaliger Konrektor unterstützte die Aktion dankenswerterweise mit Rat und Tat vor Ort. Ursel Tapetto, 2. Vorsitzende und Gesundheitsbeauftragte, hatte in der Schulküche die Oberaufsicht und half den kochenden Tafel-Gästen bei ihren Vorbereitungen: Ein junges Ehepaar rührte in der duftenden Sauce Bolognese, die ganz ohne Geschmacksverstärker zubereitet wurde. An einem Tisch wurde der mit Safran und Kumin gekochte Reis kunstvoll verziert, den es zum brasilianischen Hähnchen geben sollte, während am Ofen daneben ein feines Chili con Carne mit Gewürzen aus der Dominikanischen Republik köchelte. Ein Mann schälte die Kartoffeln für den Putenrollbraten mit Broccoli und Champignons, während zwei weitere Männer Knödel als Rouladen-Beilage formten.

An einem anderen Tisch bereiteten Asylbewerber Speisen aus ihrer Heimat zu: Sie schnitten fachmännisch Gemüse für den Gemüsesalat Chtar, verzierten das Auberginenmus Baba chnoj mit Granatapfelkernen und gaben leckere Kostproben vom Salat Malfof, der fast einem bayerischen Krautsalat entsprach. Auch ein Pizza-ähnlicher Hefekuchen entstand mit flinken Händen. Dann wurde das feine Buffet aufgebaut; daneben standen Getränke bereit, für die ein Ehepaar die Mundschenk-Aufgaben übernommen hatte. Den Abschluss bildete der Tisch mit den verschiedensten Kuchen und Nachspeisen. Ein Festschmaus stand bereit.

Uschi Meffert übernahm es, zuerst allen Köchen für das wunderbare Abendessen zu danken und dann allen Ehrenamtlichen; denn jeden Samstag gäbe es viel Arbeit, die oft im Hintergrund getan und deshalb gar nicht gesehen würde. Aber alle Tafel-Gäste würden sehr wohl dieses Engagement schätzen und ebenso das „offene Ohr“, das die Ehrenamtlichen immer wieder bei Problemen hätten. Meffert begrüßte auch alle Asylbewerber als neue Mitbürger, die genauso dazugehörten; sie hätte sich gewünscht, dass mehr von ihnen gekommen wären. Landes bedankte sich für ihre anerkennenden Worte, die für die Ehrenamtlichen so wichtig seien. Dank sei für ihn die Quelle von Freundschaft. Man müsse Beziehungen aber auch pflegen; nur so könne es ein gutes Verhältnis zwischen Tafel-Gästen und Ehrenamtlichen geben.

Es war berührend, auch die Motivation der Tafel-Köche zu hören, warum sie bei dieser Aktion dabei waren: „Wir hatten Lust, mitzumachen, weil wir da die Gelegenheit haben, etwas zurückzugeben.“, sagte ein Mann. „Es ist unser Dankeschön an euch, weil ihr uns das ganze Jahr über helft.“, meinte ein anderer. Jemand wollte Dankeschön sagen, weil ihm und seiner Familie durch die Tafel so sehr geholfen wurde; und ein Ehepaar war dabei, „weil eine Hand die andere wäscht“. Eine Frau wollte den von ihr gebackenen Kuchen als eine Geste für die Ehrenamtlichen sehen, die ihr am Herzen liegen – denn wohl alle Tafel-Gäste wären „auch mal gut dagestanden, aber heute eben nicht mehr“.

Da zu einem Jubiläums-Fest auch Rückblicke gehören, gab es noch Bilder aus den vergangenen Tafel-Jahren zu sehen. Nachdenklich oder mit viel Lachen wurden diese Fotos kommentiert, die von 10 Jahren erzählten, in denen sich Tafel-Gäste und Ehrenamtliche begegnet sind, in denen man sich gemeinsam über ausreichende Waren freuen konnte und in denen man gemeinsam Schwierigkeiten gemeistert hatte, wie sie etwa wechselnder Lebensmittelbestand oder eine wachsende Zahl von Bedürftigen mit sich brachten. Mit vielen guten Gesprächen an allen Tischen und mit einer Tanzeinlage klang schließlich dieses besondere Fest aus: Die Tafel-Gäste waren dabei die Gastgeber gewesen und hatten auf ihre ganz persönliche Weise Dank sagen können – die Ehrenamtlichen nahmen bewegt und in ihrem Tun bestärkt dieses Dankeschön an. Es gilt auch weiterhin, nicht müde zu werden, mit der Tafel-Arbeit die Verantwortlichen auf Not und Mängel hinzuweisen und zum Handeln zu bewegen, damit jede/r haben kann, was er oder sie braucht: Die notwendigen Lebensmittel, ein freundliches Wort und manchmal auch ein „offenes Ohr“.

Ursula Kühlewind

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Fotos: I. Tichy sowie U. + G. Kühlewind